Anne-Kristin Krämer

Squaredancer

Die Idee, Squaredance und Squaredancer zu fotografieren entstand aus Neugier auf diese aus den USA stammende Tanzrichtung. Erst im Verlauf des Projekts wurde klar, wie verbreitet Squaredance in Deutschland ist und dass es sich um eine große Gemeinschaft von Tänzern handelt, die untereinander enge Verbindungen pflegen. Die Persönlichkeiten haben mich so beeindruckt, dass ich mich entschied, nicht Tanzszenen zu fotografieren, sondern die Tänzer persönlich zu portraitieren.

Wesentliches Element dieser Portraits ist es, die Akteure selbst zu Wort kommen und erzählen zu lassen, was Squaredance für sie so besonders macht. Die Portraits entstanden im April 2009 im Kölner Squaredance-Club „Crowns and Flames“, einem von drei Clubs in Köln.

Über Squaredance
Squaredance heißt wörtlich „Tanzen im Quadrat“ und hat in den USA eine ca. 200-jährige Geschichte. Der Tanz basiert ursprünglich auf europäischen Volkstanzelementen. Squaredance ist heute international verbreitet – auch deshalb, weil die Figuren weltweit standardisiert sind. Squaredancer können also in jedem Club der Welt tanzen. Allein in Nordrhein-Westfalen existieren rund 80 Clubs.
Ein Square besteht aus 8 Tänzern, die während des Tanzes ein Team bilden. Getanzt wird nach den Kommandos, die der Caller zu Country-Musik singt oder ruft. Zwar gibt es standardisierte Figuren, aber durch die Ansagen des Callers läuft jeder Tanz anders ab. Die Figuren erlernt man in der Class, die etwa 3 bis 9 Monate dauert. Höhepunkt des Kurses ist die feierliche Graduierung.

Es gibt unterschiedliche Schwierigkeitsgrade („Levels“); die höheren Levels werden nur von einem sehr kleinen Prozentsatz der Tänzer beherrscht, und oft dauert es mehr als 10 Jahre, bis man ein hohes Level erreicht. Jeder Tänzer trägt in der Regel ein Namensschild, das sogenannte „Badge“. Am Badge hängt eine kleine Plakette aus Metall oder Plastik, der „Dangle“, welcher das Level des Tänzers anzeigt.
Bei den „Crowns and Flames“ finden zweimal wöchentlich Clubabende statt, und am Wochenende gelegentlich „Specials“, zu denen auch Tänzer aus dem weiteren Umkreis anreisen. Es ist zudem üblich, dass sich Clubs gegenseitig besuchen, auch über größere Entfernungen hinweg. Gelegentlich finden sogenannte „Jamborees“ statt; in Deutschland kommen zu solchen Veranstaltungen 1.000 Tänzer oder mehr. In den USA sind es 20.000.

Der Europäische Squaredance-Dachverband EAASDC beschreibt Squaredance so: „Die ständigen Bewegungen des Körpers wie Drehungen, Wendungen, der Swing usw. beanspruchen die Koordinationsfähigkeit, die Reaktionsfähigkeit und das Gedächtnis der Tänzer, denn die gelernten Figuren (Calls) müssen relativ schnell abgerufen und in Bewegung umgesetzt werden. ... Die Motivation liegt in dem Willen und dem Ehrgeiz aller acht Tänzer, den Square zum Erfolg zu führen, d.h. bis zum Ende der vom Caller ausgerufenen Calls fehlerlos zu tanzen und zur Home-Position zu gelangen, ohne dass ein Zwang damit verbunden ist. ... (Es) handelt sich bei diesen von uns betriebenen Tanzformen um keinen Wettbewerbssport oder auch Wettkampf, der tiefere Sinn liegt im harmonischen Miteinander und im Spaß an der Sache.“



Ich bin Udo Marloth. Ich bin in Köln geboren, mit Rheinwasser getauft. Von Beruf bin ich Systemadministrator, Computerfachmann. Ich bin 52 Jahre alt, mache Squaredance jetzt seit knapp 20 Jahren. Ich hab 1989 angefangen, bin seit 91 Präsident der Crowns and Flames. Warum ich das mache? Erstens findet man nirgendwo so viele nette Leute, quer durch die Republik und auch international verteilt, zweitens hält es das Gehirn fit, drittens hält es die Knochen fit, und das ist eine Kombination, die ist einfach unschlagbar. Und außerdem kann ich den Grad der Anstrengung noch selbst bestimmen, indem ich entscheide wo ich hingehe. Das geht von „locker abtanzen“ bis hin zu dem, was ich „dreidimensionales Schach“ nenne. Ich tanze in einem Level, was noch von knapp 3 Prozent aller Tänzer getanzt wird, das heißt, da muss man schon ziemlich weit fahren, um tanzen zu können, um dann auch die Caller zu treffen, die in der Lage sind, dieses Level entsprechend zu callen. Als ich das 1986 in Amerika gesehen hab, da wär’ ich nie auf die Idee gekommen, dass es das auch in Deutschland geben würde. In Deutschland sind wir 20.000, 25.000 Tänzer. In Amerika, wenn da eine große Jamboree stattfindet, dann sind die da alle auf einem Haufen, 20.000 bis 25.000. Jamborees, das sind Squaredance-Großveranstaltungen. Die haben hier in Deutschland vielleicht 2.000 Tänzer, manchmal auch nur 1.000. In Amerika fängt man bei ’ner Jamboree erst bei 10.000 an zu zählen.








Ich bin Marita. Ich bin 47. Ich wohne jetzt in Köln, komme ursprünglich aus der Eifel. Ich bin Architektin, arbeite hier in Köln beim Bauamt. Ich mache Squaredance seit 2002. 2002 hatte ich die Graduation, nicht hier in dem Club, sondern in einem anderen. Ich bin über meinen Bruder darauf gekommen. Meine Schwägerin war schon in einem Squaredance-Club, und als er sie dann kennengelernt hatte, hatte er auch Interesse. Und dann haben sie mich gefragt, ob ich mitmachen will. Bei dem ersten Club hab ich den Mädchenpart gelernt, und hier sind ja immer zu viele Frauen da, zuwenig Männer, da hab ich dann das Ganze noch mal als Mann gelernt. Ich kann beides. Wenn zuwenig Männer da sind, dann tanze ich halt den anderen Part. Ganz genial war, als ich einmal mit einer Freundin nach Australien gefahren bin. Da hatten wir uns vorher die Squaredance-Clubs rausgesucht, die es dort gibt. Und dann haben wir zwei besucht.













Ich bin Tom. Ich bin 45 Jahre alt und calle hier bei den Crowns und Flames. Ich tanze 20 Jahre und calle 16 Jahre. Es gibt mittlerweile knapp 1.000 Caller in Deutschland. Das hat viel mit Mathematik und Schach zu tun, also Gehirnarbeit. Tanzen macht genauso viel Spaß wie das Callen. Wenn ich calle, brauche ich 2 Stunden, um die Class zu gestalten. Bei der letzten Class waren es jetzt 4 Stunden, ein halber Samstag Vorbereitungszeit. Meine Frau hab ich kennengelernt auf einer Caller-Schule. Sie kommt aus Leverkusen, ich komme ursprünglich aus Schwäbisch-Hall, Süddeutschland. Da war ich auf der Callerschule und sie war als „Tanzmaterial“ eingebaut. Das war in Schwäbisch Hall. Wenn man callen lernen muss, brauchst Du Leute, die zu Dir tanzen. Da war sie dabei, und jetzt sind wir verheiratet. Ich bin LKW-Fahrer. Der Wohnort war relativ egal. Ich hab gesagt, ich zieh' hier hoch, wenn ich einen Job finde. Ich war eine Woche hier im Urlaub und hatte sofort drei Jobs.













Ich bin Monika Grimsehl. Der Name kommt vom Grimsel-Pass, in der Schweiz, wir haben das Dehnungs-H, das hat sich irgendwann mal eingeschlichen, zwischen der Geburts- und der Heiratsurkunde. Einen großen Teil meines Lebens hab ich bereits in Köln verbracht. Ich bin mit 15 nach Köln gekommen. Fast 40 Jahre. Ich werde dieses Jahr 55. Kann sein, dass Squaredance jung hält. Das hat, glaub ich, mal in der Apothekerzeitung gestanden: Squaredance schenkt 10 Lebensjahre.
Graduiert wurde ich 2002. Seitdem tanze ich jede Woche ein, zwei Mal. Das ist ein Hobby, das lass ich mir auch nicht nehmen. Tanzen ist eines der schönsten Hobbies, die ich mir überhaupt denken kann. Squaredance unterscheidet sich ja vom normalen Standard, vom Lateinamerikanischen Tanz, das sind zwei Welten, aber beide sind schön.