Martin Junius

Stadtfugen

Dr. Martin Junius, Jahrgang 1964, Ingenieur und Fotograf aus Leidenschaft, wohnhaft mit Familie auf der „Schäl Sick“, also der nicht erzkatholischen Seite Kölns. Die Residuen der menschlichen Bestrebungen in den natürlichen und künstlichen Strukturen dieser Welt zu finden, nicht notwendigerweise die Jagd nach spektakulären oder gar „schönen“ Bildern, ist die Hauptmotivation für meine Fotografie.


Das Projekt Stadtfugen begann mit ersten Ansätzen, das zerrissene Stadtbild Kölns in Gänze darzustellen. Kurzlebige Vorstellungen von städtischer „Modernität“ haben sich als nicht tragfähig herausgestellt. Doch erste Ansätze, diesem Zustand fotografisch gerecht zu werden, haben sich auch als nicht tragfähig herausgestellt. Als Ausgangsbasis ein Blick auf den Begriff Urbanität, dessen ursprüngliche Bedeutung für fein, vornehm, gebildet, eine Eleganz des Stils steht. Diese Eleganz sieht man im heutigen Stadtbild Kölns absolut nicht. Und dabei soll sich doch die Urbanität in den baulichen Strukturen wiederfinden, so zumindest die Vorstellung der Architektur.


Dennoch sollen die Betrachter die fotografische Darstellung als typisch städtisch begreifen und dem Gezeigten eine subjektive Urbanität zusprechen. Die Bilder sollen die widersprüchlichen Facetten einer Großstadt aufzeigen, welche die Lebensweise dort ausmachen. Eisinger nennt es: „Gegensätze und Reibungen, die städtische Räume erst produktiv werden lassen.


Wie kann die fotografische Annäherung an dieses „Urbane“ als Entität stattfinden? Städte sind komplexe Phänomene, eine ganzheitliche Abbildung ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Eine Annäherung an die Vielfalt ist über Aspekte der Realstruktur denkbar, über Impressionen, die immer nur Ausschnitte verschiedener Facetten der Stadtwirklichkeit sein können. Und wenn nur Ausschnitte dargestellt werden können, ist der naheliegende Schritt die Konzentration auf gewöhnlich nicht beachtete Facetten, welche die Gegensätze und Reibungen, aber auch Übergänge und Reihungen sichtbar werden lassen. 


Genau hier setzt Stadtfugen an: Die Fuge als Begriff für die geplante, unverrückbare Trennstelle, Verbindungsstelle, Schnittstelle. Als Verbindung ohne Abstand, die direkte, unmittelbare Nachbarschaft. Aber auch als Kompositionsbegriff, als besondere Anordnung von Imitationen, als ein komplexes Zusammenspiel von Stimmen, die ein gemeinsames Thema, die Stadt, variieren.